Brennessel - eine allgegenwärtige und wunderbare Heilpflanze! (©mediamoue-Fotolia.com_) - Heilpraktiker Hannover - Naturheilpraxis Hannover

Brennessel – eine allgegenwärtige und wunderbare Heilpflanze! (©mediamoue-Fotolia.com_)

Wie geht es Ihnen in dieser Jahreszeit? Vielleicht fühlen Sie sich müde und überarbeitet. Die Akkus sind leer. Nix geht mehr… Dann ist dies Ihre Pflanze!

Von Rheuma bis Anämie – beinahe eine Allheilpflanze

Paracelsus empfahl Brennnesselsaft bei der  Gelbsucht. Hildegard von Bingen pries frische Brennnesseln für den Magen: „Die Brennnessel ist in ihrer Art sehr warm. In keiner Weise nützt es, dass sie roh gegessen wird, wegen ihrer Rauheit. Aber wenn sie frisch aus der Erde sprießt, ist sie gekocht nützlich für die Speisen der Menschen, weil sie den Magen reinigt und den Schleim aus ihm wegnimmt.”

Seit Jahrtausenden wird die Brennnessel als Heilpflanze geschätzt. Im Mittelalter benutzte man sie auch zur Diagnose. Man legte sie in den Harn des Patienten: blieb sie darin einige Tage frisch, so war das ein gutes Zeichen und die Besserung tritt wohl bald ein. Ging sie hingegen ein, so sollte man seine Angelegenheiten wohl besser noch regeln.

Doch nicht allein die Empfänglichkeit der Brennessel für Strahlen war bereits in unserer Vergangenheit bekannt: Ihre Samen wurden in den „Frauendreissigern“ gesammelt und bei Bedarf als Kräftigungsmittel gegessen. Sie haben eine dermaßen vitalisierende Wirkung, dass es im Mittelalter den Mönchen und Nonnen verboten war, Brennesselsamen einzunehmen.
Tatsächlich enthalten sie hormonähnliche Substanzen: Sitosterin und Vitamin E – Fruchtbarkeitsvitamine, die zur Anregung der Körperfunktion, bei chronischer Müdigkeit, Leistungsschwäche hilfreich sind. Bei stillenden Müttern regen sie die Milchbildung, bei Männern die Samenproduktion an und bei Prostataleiden soll eine Tinktur der gelben Wurzel neben Kürbiskernen eines der besten Phytotherapeutika sein.

Die Caffeoyl-Chinasäuren wirken schmerzlindernd, adstringierend und entzündungshemmend, was die Medizin vor allem zur Linderung von Arthroseschmerzen und Gelenkrheumatismus nutzt; außerdem werden Brennnesseln therapeutisch eingesetzt bei Erkrankungen der Atmungsorgane und Magen-Darm-Katarrh mit Kolikschmerzen.

Eine sehr wirksame Teemischung bei Rheuma ist die folgende:
Brennesselblätter, Löwenzahn je 20 g
Schachtelhalm 10g
Birkenblätter, Hagebutten je 5g
Mischen lassen und Je 1 Eßlöffel mit ¼ Liter kochendem Wasser aufgießen und 15 min ziehen lassen. Mehrmals täglich trinken.

Für die harntreibende Wirkung sind vor allem die Kaliumsalze verantwortlich. Besonders die Wurzel gilt als wichtiges Mittel bei Prostatabeschwerden, da sie die Prostata entstaut, wodurch das Urinieren leichter fällt. Auch andere Erkrankungen der Harnorgane werden mit Brennnesselpräparaten behandelt. Bei Blutarmut soll die kurmäßige Einnahme von Brennnesselsaft helfen.
Daneben setzt die Volksmedizin die Brennnessel zur Anregung des Milchflusses bei Stillenden, bei Haarausfall, Hautausschlägen, Allergien, Osteoporose und Wechseljahrsbeschwerden sowie bei Blutarmut und Erschöpfung ein. In Milch gekochte Wurzeln werden gegen Ruhr und Durchfall empfohlen. Früher kam die Brennnessel auch zur Bekämpfung und Vorbeugung von Skorbut zum Einsatz.
Noch im Zweiten Weltkrieg sollen Brennnesseln zum Verbinden infizierter Wunden verwendet worden sein, um den Heilungsprozess zu beschleunigen.
Eine Art der Anwendung, bei der man hart im Nehmen sein muss,  ist das Auspeitschen der Haut mit frischen Brennnesseln. Damit wurde und wird Scharlach oder Rheuma behandelt.

Auch in Asien bekannt

Auch die chinesische Medizin kennt die Brennessel. Die Wirkung gemäss der TCM:
kühl
Nährt das Leber-Blut bei Mangel
Vertreibt Feuchtigkeit im Unteren Erwärmer
Vertreibt Lungen-Feuchtigkeit
Löst Leber-Qi-Stagnationen auf

Die Pflanze der Grenze

In der Spagyrik nach Dr. Zimpel ist die Brennessel, die unsere Grenzen schützt – gegen andere und gegen strahlen. Sie ist eine Pflanze, die innere Stärke und Kraft gibt.  Sie reinigt uns ähnlich der Goldrute von Ängsten. Sie wirkt als Tonikum auf die Nebennieren.
In der Homöopathie ist die Brennessel in niedrigen Potenzen eins der wirksamsten Mittel bei Verbrennungen (Ähnliches heilt Ähnliches…). Ebenso ist es bei heftigen allergischen Ausschlägen und Urtikaria von großem Nutzen. Zudem kann es bei Harngriess eingesetzt werden.

Eine Schutzbewehrte Pflanze

Die Brennnessel muss sich mittels ihrer Brennhaare schützen, denn sie wird von vielen Schmetterlingsraupen als Futterpflanze genutzt.
Die Brennhaare sind lange, spröde Röhren, die Ameisensäure, Serotonin, Histamin und Acetylcholin enthalten. An der Spitze ist eine Sollbruchstelle. Wird die Brennnessel berührt, bricht das Brennhaar an dieser Sollbruchstelle ab. Es gleicht nun einer medizinischen Injektionsnadel und befördert damit die Schmerz und Schwellung erzeugenden Substanzen in die Haut.
Der beste Zeitpunkt für das Sammeln ist von Mai bis Ende Juli.

Die Brennessel hat viele Namen wie Donnernessel, Donnernettel, Dudelkolbe, Estekraut, Feuerkraut, Gichtrute, Große Neddeln,  Hanfnessel, Nessel, Saunessel, Senznessel, Tausendnessel, Teufelskraut, Tissel, Tittenkölbl,  Zingel etc.
Die Brennessel ist eine sehr weit verbreitete Pflanze (Stickstoffzeigerpflanze!) und wird meist als „Unkraut“ angesehen. Dabei sind sowohl ein kalt hergestellter Sud aus Brennesseln oder eine Brennesseljauche hervorragende Spritzmittel für Gartenpflanzen, um Schädlinge zu vertreiben oder fernzuhalten und als Schutz vor Pilzbefall…  Außerdem ist sie eine wichtige Pflanze für einige Schmetterlingsarten. Lange Zeit gehörte die Brennnessel zu den Färbekräutern. Der Gattenungsname Urtica stammt vom lateinischen urere= brennen. „Donnernessel“ hieß sie in Anspielung auf den – angeblichen – Schutz vor Blitzschlag.

Bedichtet

Albrecht Dürer betrachtete die Brennnessel als eine „von Gott geschenkte Pflanze“, was in seinem Bild,  auf dem ein Engel mit einer Brennnessel in der Hand zum Thron des Allmächtigen emporfliegt. zum Ausdruck kommt..
Wenn ihr an Nesseln streifet,
So brennen sie;
Doch wenn ihr fest sie greifet,
Sie brennen nie.
So zwingt ihr die Feinen,
Auch die gemeinen Naturen nie.
Doch preßt ih wacker
Wie Nußaufknacker,
So zwingt ihr sie.
(Friedrich Rückert)

Die Liebespflanze

Walahfrid Strabo beschreibt sie als „Pflanze, auf deren Blätter Pfeile wachsen mit brennendem Gift. Wer sich an ihr reibt, sticht sich an ihr“.
Deshalb vermutete man in der Brennessel den Sitz eines dämonischen Wesens. Nur eine wahrhaftige Jungfrau konnte angeblich eine Brennesssel anrühren, ohne sich zu verbrennen. Die Brennessel ist ein Symbol schmerzlichen Liebesbrennens  oder der hoffnungslosen Liebe.   Früher „peitschte“ man sich mit Brennesseln, benutzte sie zum „Liebesgeißeln“.  (Sich mit Brennnesseln zu schlagen erzeugt an der betreffenden Stelle ein stundenlanges Wärmegefühl, fördert die Durchblutung  und eignet sich deshalb hervorragend bei schmerzenden Gelenken, Rheuma- oder Ischiasbeschwerden. Es kostet nichts – höchstens Überwindung! )
Hildegard von Bingen nennt die Brennessel „dudelkolbe“, vergleicht also den Kolben mit der weiblichen Brustspitze (=Tute), wie auch der Volksname „Tittenkölbel“ esausdrückt.
Mattioli berichtet: „Nesselblätter in Wein gesotten und getrunken, machen zur Liebe feurig, locken zur Unkeuschheit“.
Und Brunfels schreibt: „Wenn sie wollen eheliches Werck treiben, essen sie den samen mit zwiebeln und eys dotteren und Pfeffer“.
Weil die Brennessel durchblutungssteigernd wirkt, gelten Gerichte mit ihr als aphrodisierend.  Auch 1-2 Teelöffel Brennesselsamen ins Müsli gegeben soll das menschliche Lustbedürfnis steigern. Ein daraus zubereiteter Tee vertreibt die Frühjahrsmüdigkeit… Die Blätter können auch als Liebes-Rauchwerk dienen.

Schulmedizinische Verwendung und Inhaltstoffe

Brennesseln enthalten zahlreiche wertvolle Inhaltsstoffe. Neben Kieselsäure enthalten Brennnesseln auch viele, für den Körper, gut verwertbare Mineralien wie Eisen, Magnesium, Kalzium, Silizium u. a..
Die überaus ‚angenehmen‘ Brennhaare enthalten u. a. Histamin und Ameisensäure, was ihre Wirkung erklärt..
Wurzel und Samen haben noch wieder andere Inhaltsstoffe.

Schulmedizinisch wurden zahlreiche verschiedene Wirkungen nachgewiesen. Die Brennnessel wirkt vor allem entwässernd, blutreinigend, blutbildend und entgiftend. Daneben hilft sie, überschüssige Harnsäure auszuführen.
Die Wurzel hingegen wird gerne bei Prostataproblemen angewendet, da sie Urinmenge vergrössert und die Restharnmenge (in der Blase) verminderd.

Schulmedizinisch wird die Brennnessel daher z. B. gerne bei rheumatischen Beschwerden und (zu viel Harnsäure) angewendet. Auch bei Hautproblemen wie nesselsuchtartige Ausschläge (dann gerne auch homöopathisch) oder Akne hilft sie sehr gut. Und natürlich steht die Brennnessel ganz oben auf der Liste, wenn die ableitenden Harnwege angeregt und durchspült werden sollen wie bei chronische Erkrankungen der ableitenden Harnwegen und Nierengrieß, Blasenentzündung.
Aufgrund ihrer blutbildenden Eigenschaften hilft sie bei Blutarmut (Anämie), Frühjahrsmüdigkeit, Erschöpfungszuständen, mitunter auch bei Amenorrhoe (fehlende Regel) und Burn-out.
Cave:  Bei Wassereinlagerungen wegen eingeschränkter Herz- oder Nierentätigkeit sollte man vorsichtig arbeiten.

Mythos Brennessel

Die lange Geschichte der Brennnessel als Heilpflanze und Nahrungsmittel führt dazu, dass es eine Vielzahl ethnobotanischer Traditionen und Ansichten über die Pflanze gibt, die teils dem Bereich der Mythen und des Aber- und Wunderglaubens entstammen.
Einige der Bräuche:
•    Am Gründonnerstag Brennnesselgemüse zu essen, was für das folgende Jahr vor Geldnot schützen soll.
•    Fünf Nesselblätter in der Hand zu halten, um frei von Furcht und bei kühlem Verstand zu bleiben.
•    Am Johannistag Brennnesselpfannkuchen zu essen, um gegen Nixen- und Elfenzauber gefeit zu sein.
•    Am 1. Januar Brennnesselkuchen zu essen, um sich ein gutes Jahr zu sichern.

Welche Erfahrungen haben Sie mit der Brennessel gemacht?
Welche Rezepte haben Ihnen geholfen?
Schreiben Sie mir!

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Bilder: Wikipedia

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