Es ist immer wieder spannend, welche Fortschritte die Diagnostik macht. Auch wenn man manchmal das Gefühl ‚zu Tode diagnostiziert zu werden‘, so sind die Möglichkeiten dennoch ein Segen – auch und gerade für einen Heilpraktiker, sofern er sich damit beschäftigt.
Auf meinem letzten Chelat-Kongress der Akademie für Chelattherapie ging es u. a. um die Prüfung der Nierenfunktion. Bisher wurde hierzu der Kreatinin – Wert im Serum bestimmt. Dieser hat jedoch einen gravierenden Nachteil: er hat einen erheblichen ‚toten Winkel‘, d. h. er steigt erst an, wenn z. T. mehr als die Hälfte der Nierenfunktion geschädigt ist!
Alternativ bestimmt man das Kreatinin im Serum und 24 Stunden-Sammelurin und kann dann über Näherungsformeln auf die Nierenfunktion schließen. Der Nachteil hierbei liegt in der (unbeabsichtigten) Unzuverlässigkeit des Patienten: einmal innerhalb von 24 Stunden den Urin nicht gesammelt und schon kommt zum Teil zu massiven Verschiebungen im Ergebnis!
Viele Studien der letzten Jahre belegen den Zusammenhang einer Nierenfunktionsstörung und/oder Proteinurie (Eiweiss im Urin) mit dem Risiko für Arteriosklerose (Arterienverkalkung) und erhöhter Sterblichkeit. Deshalb wird eine frühzeitige Diagnostik einer Nieren-Funktionsstörung immer wichtiger.
Deutlich besser als Kreatinin korreliert das Cystatin C im Serum mit der Nierenfunktion und ist somit ein empfindlicherer Marker zur Erkennung von leichten Einschränkungen der Glomerulären Filtrationsrate (Maß für die Funktionsfähigkeit der Niere). Damit entfallen die Probleme des Kreatinin-blinden Bereichs.
Cystatin C weist eine konstante Bildungsrate auf. Es wird in den meisten kernhaltigen Zellen gebildet und das mit einer relativ konstanter Produktionrate. Es wird auch nicht durch entzündliche Prozesse, ausgenommen Autoimmunerkrankungen, oder konsumierende Erkrankungen beeinflußt.
Wenn Sie also Schmerzmittel oder andere ‚schwere Medikamente‘ nehmen, lassen Sie am besten regelmäßig mal ihren Cystatin C Wert prüfen. Vor allem kennen Sie dann auch ihren individuellen Normbereich.
